Afro Ken

Mein früheres Leben / London

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Hier findet Ihr meinen E-Mail-Newsletter sowie einige Fotos aus London. In London ist mir übrigens auch die Idee zu dieser Webseite gekommen...

 


 

Das Haus, in dem ich wohne

London 1 (vom 03.02.2003)

Hallo Ihr Lieben!

 

Inzwischen bin ich also in London angekommen und habe heute meinen ersten Arbeitstag. Momentan ist noch Mittagspause, deshalb schreibe ich jetzt einfach mal ganz dreist eine Mail! :-) Ich habe hier auch eine eigene Adresse am Goethe-Institut, aber ich habe noch nicht gefragt, ob ich die auch privat nutzen darf. Wenn ja, schicke ich Euch diese Adresse demnächst auch noch.

 

London ist (bisher) total großartig, gestern habe ich eine 10 Pfund Note gefunden und es gibt geile strange Limonaden zu kaufen! :-))) Ja, das mache ich also als erstes, wenn ich in einer fremden Stadt bin - strange Limonaden kaufen ;-)

London Eye

 

Gestern (So.) habe ich mich mit einem Bekannten getroffen, der auch gerade zufällig ein Praktikum hier in London macht (Maik). Wir sind nach Westminster gefahren, haben einen kurzen Blick auf Big Ben und London Eye (das größte Riesenrad der Welt - aber meine Mutter sagte mir schon, dass Berlin plant, ein noch größeres zu bauen) geworfen und sind dann weiter ins "Tate" (eine Kunstausstellung). Das war total großartig!!! Dort hängt ein echter Roy Lichtenstein und ein paar Dalis und viele andere Werke bekannter Künstler und es kostet keinen Eintritt!!! Anschl. waren wir am Leister Square und haben uns das chinesische Neujahrsfest gegeben, was für mich allerdings nicht mehr war als ein übelstes Gedrängel - trotzdem war es geil, weil ist ja London! :-) Dann sind wir noch so ein bißchen durch die Stadt gelaufen und ich habe ein wenig den "Spirit" in mich aufgesogen (und verschiedene Limonaden ;-) ).

 

Mein Zimmer ist ziemlich winzig und leider ziemlich kalt (und das mir als Frostbeule). Da es so winzig ist, ist es zwar binnen einer halben Stunde warm, aber leider auch binnen einer halben Std. wieder kalt, da das Fenster nicht so richtig performed, wie mir scheint. Dafür ist es billig.

 

Goethe-Institut

Mein Flug hierher war O.K., habe zwar ziemlich geheult, bin dann aber irgendwann auf den Trichter gekommen, dass looking forward sinnvoller ist als looking backwards. War trotzdem voll die Strapaze mit 30 kg Gepäck durch die Londoner Tube zu gondeln. Vor allem der 10 minütige Fußmarsch von "meiner" Tube-Station (Kilburn) zu meiner Unterkunft war die Hölle, ich war tot hinterher. Wenn Ihr mich besuchen kommt, müsst Ihr peu-a-peu mein Zeug mit nach Hause schleppen! *lol*

Tja, was gibt es sonst noch zu berichten... Heute ist wie gesagt mein erster Arbeitstag und mir wurde so ein bißchen hier das Haus gezeigt. Was ich hier arbeiten muss, weiß ich immer noch nicht so genau, aber ich habe einen eigenen Computerarbeitsplatz (mit Internet!!! Yeah!!!), an dem ich allerdings (das erste Mal in meinem Leben) mit Outlook arbeiten muss - *graus*. Naja, so schlimm ist's auch nicht ;-)

Dusche bei Ms. Cashmore

Ansonsten... Die Dusche in meiner Unterkunft ist total grottig, ein dünnes Rinnsal, das ca. fünf. Min. lang Wasser spendet. Und das Bett ist eigentlich zu weich. Naja. Dafür ist's billig (<- Totschlagargument). Die Londoner habe ich noch nicht weiter kennen gelernt, aber so ziemlich jeder zweite junge Mann auf der Straße lächelt mich irgendwie nett (oder doppeldeutig) an. Hm. Very nice aber seltsam. Vielleicht sind die Leute hier einfach offener oder so, keine Ahnung. Oder notgeiler ;-) Was den ÖPNV betrifft, ist hier gerade heilloses Chaos, es hat vor dem WE nämlich geschneit, und damit kommen die Londoner gar nicht klar. Eine Kollegin hier meinte, es müssen nur 2 1/2 Schneeflocken fallen, um den Autoverkehr der ganzen Stadt komplett lahm zu legen. Sogar der Flughafen war am Fr. noch gesperrt. Außerdem streiken hier irgendwelche Berufsgruppen, u.a. die Feuerwehr, so dass manche Bahnhöfe komplett geschlossen bleiben müssen, weil sie zu tief unter der Erde sind und das dann zu gefährlich wäre ohne Feuerwehr. Ich bin übrigens auch telefonisch zu erreichen, aber natürlich steht die Nummer zu Hause auf dem Telefon. Wenn's ganz dringend ist: Macro und meine Mutter haben die Nummer schon! ;-)

Drache vom chinesischen Neujahrsfest

Weiterhin fällt mir jetzt gar nix zu berichten ein. Bin mal gespannt, was ich hier machen muss...

 

Melde mich bald wieder bei Euch, bis dahin macht's gut und liebe Grüße aus dem sonnigen London!

 

Claudia

 

 

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Haus in Soho
Pub in Soho

London part 2 (vom 10.02.2003)

Hallo allerseits! :-)

 

Heute möchte ich Euch also weiter von meinen London-Eindrücken berichten. Ich bitte diejenigen, die das Geschriebene schon kennen um Entschuldigung für die doppelte Information! :-) Alle anderen hoffe ich nicht zu langweilen...

 

Am WE kam die Nadine aus Berlin hier an (die hier mal acht Jahre gelebt hat) und wir haben uns Sa.-Nachmittag erstmal in der City getroffen um das zu tun, was Girls usually do when they're out together - shopping! :-) Ich habe einen totalen Kaufrausch bekommen, habe mir vier CDs gekauft (u.a. die neue Ladytron - glücklicherweise erwischte ich eine, die mit 10,99 £ ausgepreist war, während die anderen ganze 6 £ mehr kosteten :-) ; ROBI: soll ich Dir vielleicht auch eine mitbringen, wenn ich sie nochmal so "günstig" sehe? -11 £ sind ca. 17 €. Oder möchte sie vielleicht jemand anders? ;-) ), ein T-shirt mit einer niedlichen Kuh drauf (das allerdings fast ein wenig zu klein ist, so dass die Kuh mächtig in die Länge gezogen wird ;-) ) und ein schickes schlimmes Perlenportemonnaie, die hier an jeder Ecke verkauft werden und irgendwie der letzte (Touri)-Schrei zu sein scheinen. Aber Nadine hat ein noch viel Schlimmeres gekauft! :-) Außerdem hat sie mich in so einen Techno-Klamotten-Laden geschleppt, der echt hammermäßig geil ist (André, Du würdest ihn lieben!!!! :-) ). Schon allein für die Bügel, die sie in diesem Laden haben, würde ich sterben (Eigenkreation)! :-) Und die Klamotten waren auch echt der Hammer... Obwohl ich nicht "techno" bin, hätte ich theoretisch ein Vermögen in diesem Laden lassen können! :-) Furthermore machte ich die Bekanntschaft mit "Afro Ken" - einer japanischen (?) Comicfigur (ein Hund mit einem Regenbogenafro), in die ich mich sofort verliebte (ich brauche Merchandising-Produkte!!! :-)).

 

Weiterhin habe ich an besagtem Sa. die ersten Fish'n'Chips in my whole life gegessen. Und ich denke, das ist highly addictive, wahrscheinlich wegen dem ganzen Fett da drin! :-) Obwohl die Chips für den dt. Gaumen natürlich etwas gewöhnungsbedürftig sind - ziemlich blass und eher pappig, kaum knusprig. Aber trotzdem sehr geil! :-)

 

Was meine Arbeit angeht, so hatte ich mitte letzter Woche ein schönes Erlebnis, als ich ein dickes Lob von meinem Chef (dem Institutsleiter, in dessen Vorzimmer ich auch noch sitze) bekommen hab. Und das tut er wohl nicht oft, wie mir meine "Bürogenossin" und die Direktionsassistentin Corole (sehr nett) sagte... *freu* Dabei musste ich nur eine Excel-Tabelle erstellen, aber er meinte, das hätte ich ziemlich schnell und sehr gut gemacht (habe einen Tag für die Scheiß-Tabelle gebraucht, aber inzwischen ist sie fast fertig und ich bin relativ stolz auf mich!!!). Momentan ist der Chef allerdings erstmal noch auf Geschäftsreise bis Mi., worüber ich auch nicht unglücklich bin, da er ein sehr "eigener" Mensch ist - ein sehr kreativer Mensch, glaube ich, intelligent auch, aber kann halt nicht strukturiert arbeiten und will als Respektsperson behandelt werden (also macht deutlich, dass er hier der Chef ist). Dementsprechend machen die Hauptarbeit dann natürlich auch die Damen hier (er ist - auf unserer Etage zumindest - Hahn im Korb). Er ist auch der, der morgens als letzter das Büro betritt, nach mir wohlgemerkt, ich bin die Vorletzte um 10 Uhr (so muss das sein! ;-) )! Aber tauschen möchte ich mit ihm trotzdem nicht, schließlich ist seine Hauptarbeit, die Verantwortung zu tragen, sich neue Dinge, neue Konzepte auszudenken und am Ende dafür gerade zu stehen, falls diese floppen, und darum beneide ich ihn echt nicht. Nur seine Arbeitsweise scheint mir sehr unstrukturiert, wie das bei kreativen Leuten halt oft der Fall ist - da ist da eine Idee und da eine, nur diese ganzen Ideen in ein Konzept zu bringen und dabei den Über- bzw. Durchblick zu behalten - das müssen die anderen machen, und seit kurzem jetzt auch ich! :-) Heute und Fr. z.B. habe ich nichts anderes gemacht, als die Ablage und die Korrespondenz (hier wird echt jede E-Mail ausgedruckt) zu sortieren und irgendwie in ein System zu bringen. Das ist echt anstrengend und irgendwann nervig, ich kann jetzt auch echt nicht mehr.

 

Kilburn High Road - die Einkaufsstraße in Kilburn

Was so schnöde alltägliche Dinge wie Einkaufen angeht, so bin ich ganz happy, dass ich einen LIDL relativ dicht bei mir dran habe, das ist echt phantastisch, weil die wirklich annähernd deutsche Preise haben (d.h. die Produkte kosten annähernd genausoviel wie in D., nur halt nicht in Euro;, sondern in £, which means ca. die Hälfte mehr). Aber sie verkaufen dort fast ausschließlich nur deutsche Produkte, natürlich ergänzt um ein paar coole Sachen, die es in D. nicht gibt (z.B. Cup-Nudeln oder Cheddar-Käse in versch. Variationen; aber auch "Baked Beans" und Pfefferminzsauce und so klassisch englischen Stuff). Die Engländer kennen dieses LIDL- und ALDI-Konzept übrigens so gar nicht, hier mal ein kleiner Artikel dazu:

 

http://www.dooyoo.co.uk/shopping/misc_offline_shopping/lidl/_review/404022/

Mein Cornershop in Kilburn (von hinten)

Zudem habe ich direkt an meiner Straßenecke noch einen kleinen türkischen Laden, der - für Londoner Verhältnisse - sehr billig ist und dessen Besitzer mich bereits jeden Morgen und jeden Abend, wenn ich vorbei laufe, grüßt.

 

Trotzdem wird es mit dem Geld recht knapp (Spenden willkommen! :-) ) werden, so dass ich überlegt hatte, ob ich mir für den nächsten Monat ein altes Fahrrad kaufe, weil die Monatskarte haut mit 75,- £ halt richtig rein. Das sind - ich will es gar nicht denken - 225,- DM (oder mehr). Für einen Monat Tube & rote Busse fahren. Da möchte ich fast weinen, bei dieser Summe... Argh. Naja. Aber die schöne Fahrrad-Idee wurde letztes WE von meiner Vermieterin zerstört, da sie meinte, es sei verboten, Fahrräder mit ins Haus zu nehmen und auf der Straße werden diese sofort geklaut ("They steal it immediatly!"). Vielleicht wage ich es ja trotzdem...

 

Dusch Coin-o-mat:20 p einwerfen, dann 5 Min. warmes Wasser

Außerdem kotze ich dort immer noch über die Dusche. Ich habe aber Ende letzter Woche hier beim GI ausgehandelt, dass ich hier einmal die Woche duschen darf (wegen Haare waschen und so), denn dieses dünne Rinnsal bei mir zu Hause, was sich da Wasserstrahl nennt und ca. 5 Min. lang warm bleibt taugt allemal für eine Katzenwäsche. Der Wasserstrahl ist sowohl vom Druck als auch von der Intensität her ungefähr mit dem aus dem Wasserspendern vergleichbar, der hier bei Goethe steht. Auch die Wassermenge im Boiler ist ungefähr genauso groß.

Lädt zum Ampel-Ignorieren ein: Kilburn High Road

 

Was witzig ist in London... Es gibt hier eigentlich keine (oder kaum) schlecht angezogene Leute. Und kaum Fette. Wenn man morgens in der U-Bahn sitzt, sieht man superwenige geschmackliche Entgleisungen à la Adler-Einkäufer. Und wie gesagt, fast keine Dicken, auch bei der älteren Generation nicht. Und als Fußgänger ignoriert man hier offensichtlich Ampeln. Heißt, man guckt, ob ein Auto kommt, und wenn eins kommt guckt man, wie es um die Ampel bestellt ist. Aber meistens geht man einfach so drauf los, Auto wird schon halten. Sprich: Straße kommt, egal, es wird einfach weiter gelaufen, ohne einen Blick auf die Ampel zu verschwenden. Für mich ist das noch ein bißchen schwierig, da ich mit dem Linksverkehr noch nicht so ganz klar komme und immer völlig verwirrt bin, aus welcher Richtung jetzt wohl das Auto kommt... In der Innenstadt steht überall auf den Fußgängerüberwegen "Look Right" or "Look Left". Aber halt nur in der Innenstadt. Auch in der Tube mache ich mich regelmäßig zum Horst, wenn ich ganz gespannt und erwartungsvoll nach rechts in den Tunnel glotze, wann denn nun endlich die Bahn kommt, und diese dann von hinter meinem Rücken plötzlich ankommt und an mir vorbei rauscht! :-) Da versuche ich inzwischen, mich dezenter zu verhalten und einfach nicht mehr nach der Bahn zu gucken! :-)

 

 



Auf meinem Weg zur Arbeit: Westminster Station - cool futuristisch, aber sehr unübersichtlich

Der ÖPNV ist hier allerdings etwas chaotisch, ich habe bisher drei versch. Routen zu meiner Arbeit ausprobiert, aber es dauert immer mind. eine Stunde - entweder dauert das Umsteigen ewig lange (riesige und unüberschaubare Netze von Tunneln), oder die Anschlussbahn kommt ewig nicht (wobei "ewig" hier meint: dauert länger als fünf Min.), oder die Bahn steht aus mir unbekannten Gründen 10 Min. in irgendwelchen Bahnhöfen und fährt nicht weiter, weil ca. 15 Stationen vorher irgendwas passiert ist. Unklar. Und, was für mich als Berliner auch ungewöhnlich ist: Zur Rush-Hour morgens und abends sind die Bahnen hier unglaublich vollgestopft. Zwar noch nicht mit Tokio vergleichbar, wo sie die Leute noch von außen reinquetschen, aber so wie in Berlin, wo ein Zug nur mal dann voll ist, wenn vorher 5 Min. keiner kam, auch nicht. Jeder Zug ist voll!!! Und das, obwohl die ca. alle 1 - 3 Min. kommen. Das ist echt unglaublich, welche Massen von Menschen hier leben müssen!!!

 

Nun gut, Ihr Lieben, das soll's erstmal gewesen sein. Ihr könnt mich übrigens auch anrufen, tagsüber hier bei Goethe unter

 

0044 XXXXXXX

 

oder abends und am WE bei mir zu Hause unter: 0044 XXXXXX

 

Würde mich freuen, hänge bisher oft abends zu Hause rum. Heute allerdings gehe ich nochmal mit Maik in ein Pub, wo bestimmte Drinks nur ein £ kosten! :-)

 

Macht's schön in Berlin

 

Claudi


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London 3 (vom 19.02.2003)

Hallo liebe Daheimgebliebene! :-)

 

Heute möchte ich also das dritte Mal von meinen Londoneindrücken und -erlebnissen berichten! :-) Ich habe ziemlich viel erlebt letzte Woche, daher weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll... Am Besten am Anfang! :-)

 

Also, letzte Woche war ja noch Nadine aus Berlin da, mit der ich ein paar mal abends unterwegs war... Habe ein paar sehr nette Leute von ihr kennen gelernt, die ich auch vorhabe, hier nochmal zu treffen, sofern sie wollen. U.a. Ruper und Neelash, die sogar in einer Parallelstraße von mir wohnen, was sich letzten Do. als durchaus praktisch erwiesen hat, als ich bis 2:30 Uhr bei den beiden rumsaß (und am nächsten Morgen um 8:00 Uhr völlig gerädert und mit einem Mords-Hangover aufgewacht bin)! :-)

 

Das 'Brondes Age' - quasi sowas wie mein 'local'

 

Außerdem waren noch Marc und Sebastian in Town, die am Sa.-Abend hier angekommen sind und gestern Abend wieder gefahren sind (na gut, von Sebastian weiß man z.Zt. noch nicht so genau, ob er es wirklich geschafft hat, London zu verlassen! :-) ).

 

Das Interessanteste erlebe ich hier sowieso fast ausschließlich an den WEs, da ich ja unter der Woche eigentlich nur morgens aufstehe, ins Büro fahre, und abends dann vielleicht noch einkaufen gehe oder in den Pub, oder ganz einfach zu Hause bleibe und ein bißchen lese.


...und immer wieder Pubs

 

Ihr habt ja wahrscheinlich von der fetten Demo am Sa. gehört, die hier stattgefunden hat - und ich war auch dabei! :-) Naja, zumindest so halb. Naja nee, eigentlich schon richtig. Ich hatte mich irgendwann nachmittags mit Nadine und ihren Leuten in Westminster verabredet, musste allerdings eine 3/4 Std. warten und diverse Passaten immer wieder nach Händies anschnorren, da einfach kein Durchkommen für die Leute war. Und es war schweinekalt! O.K., nicht so kalt wie bei Euch, aber für Londoner Verhältnisse echt schweinekalt (fast null Grad). Zum Glück sind wir dann erstmal all together in den nächsten Pub rein, um uns bei Tee und Bier ein bißchen aufzuwärmen! :-) Arg geschrumpft hat sich unsere Gruppe dann so gegen halb fünf nochmal auf den Weg in Richtung Demo bzw. HydePark gemacht, aber dort waren gerade alle Kundgebungen vorbei und die Leute hingen nur noch so ein bißchen da ab und haben Feuerchen mit ihren Transparenten und Plakaten gemacht. Aber auf den Straßen sind sie immer noch marschiert, echt unglaublich, da war es schon dunkel! Und es war wirklich hammermäßig voll... Vergleichbar vielleicht mit den Menschenmassen, die alle Jahre wieder im Juli Berlin zur LoveParade überschwemmen. Nur kälter war es! :-)) Wir haben es dann gegen 19 Uhr vorgezogen, uns nochmal in den nächsten Pub zu verkrümeln, was gar nicht so einfach war, da es natürlich überall überfüllt war. Sogar ein paar Tube-Stations waren gesperrt (man fragt sich, ob wegen der Menschenmassen - denn die sind in der Rushhour auch nicht geringer - oder wegen des politischen Anlasses). Aber irgendwann hatten wir doch einen Pub gefunden, in dem wir uns noch ein bißchen aufwärmen konnten.

Victoria Station (bei Tag)

 

Was ich beeindruckend fand: trotz der 1 Mio. Teilnehmer gab es nur 6 Verhaftungen!!! (stand in der Zeitung am nächsten Tag). Das habe ich in Berlin so noch nicht erlebt. Und für Groß-Britannien war es die größte Demo ever.

 

Gegen Abend war ich dann mit Maik und Sebastian verabredet, um Marc einzusammeln, den wir dann - wie ich später erfuhr - doch woanders abholen sollten, als ursprünglich geplant. Und ich habe die beiden dann _zufällig_ beim Umsteigen in Greenpark getroffen (das muss man sich mal vorstellen! So eine große Stadt wie London und dann zufällig getroffen!), wo sie mir das dann erzählten, was uns zwei nutzlose U-Bahn Fahrten sparte! :-) *puh* Die drei wollten, als Marc dann da war, in so einen Tekkno-Club irgendwo in Süd-London. Ich wollte zuerst mit, dann aber wieder nicht (weil ich so groggy vom Marschieren war), und schließlich haben sie mich überreden können, doch mit zu kommen. Das war leider ein Fehler, wie sich im Nachhinein herausstellte, denn in dem Club, wo wir waren (das "Viaduct" in Vauxhall - geht da bloß nie hin, wenn Ihr mal in London seid! :-) ), haben sie 1. furchtbare Musik gespielt, 2. fand ich die Leute total unangenehm und unentspannt (so ballermäßig, irgendwie prollig und überhaupt nicht easy-going, wie ich das von Technoveranstaltungen mitte der 90er aus Berlin kenne) und 3. hat uns niemand eine Pille verkaufen wollen! ;-) Und ohne Pille ging das echt gar nicht, so dass mir die 13 £ Eintritt irgendwann egal waren, ich die Jungs alleine da gelassen hab und gegen 2:30 Uhr einfach gegangen bin. Das war wahrscheinlich ziemlich leichtsinnig, schließlich hatte ich keine Ahnung, wo ich bin und wie ich nach Hause komme, und die Gegend war echt menschenleer und nicht sehr schön (ungefähr vergleichbar mit der Gegend um die Jannowitzbrücke, in Richtung Ostbahnhof). Anfangs bin ich da ziemlich verpeilt umher geirrt und dachte, ich wäre recht weit im Westen der Stadt, aber wie sich herausstellte, war ich eher im Osten! Das habe ich jedoch erst gemerkt, als ich nahe am Fluß (Themse) war und östlich von mir das Riesenrad sah. Also bin ich in diese Richtung gestiefelt, da ich schon die nächste Brücke gesehen habe (und ich wußte, ich muss auf jeden Fall über den Fluss), über die alle 3 - 5 Min. Busse fuhren.Einen solchen habe ich dann kurz vor der Brücke auch gleich erwischt, und glücklicherweise fuhr der nach Victoria, wo ich wußte, dass von dort der Nachtbus zu mir nach Hause fährt. Eine noch viel glücklichere Fügung war es dann, dass der Nachtbus, in dem ich saß, sogar an der gleichen Haltstelle hielt wie meiner nach Kilburn und letzterer auch gleich 2 Min. später kam! Ich war echt gerettet! Aber das hätte auch böse in die Hose gehen können, glaube ich. Marc und Sebastian, die beide bei mir gepennt haben, haben wohl 2 Std. nach Hause gebraucht... :-( Das hat mir dann ein bißchen leid getan (sorry nochmal, Jungs), aber ich hatte auch überhaupt nicht dran gedacht, den beiden zu sagen, welcher Bus zurück nach Kilburn fährt und bin irgendwie auch davon ausgegangen, dass sie bis mind. 6 Uhr in dieser Location ausharren würden und somit die Tube nehmen können, was dann aber nicht der Fall war...

 

Typische Hausfassaden in Camden
Krasse Schuhe in Camden

Am nächsten Tag dann sind wir vier nach Camden gefahren, was echt ein Erlebnis war. Allein schon die Fahrt dahin war sehr geil! :-) Wir hatten ziemlich schönes Wetter (leider sehr kalt), und die Bahn, die bei mir in der Nähe direkt nach Camden fährt, wird am WE immer repariert so dass es einen Rail-Replacement-Service gab. Der hat eine Std. bis nach Camden gebraucht (mit Bahn 20 Min.), was aber supergeil war, da es einer Stadtrundfahrt durch Nord-London glich und man einfach voll viel von der Stadt gesehen hat! Ich fand das herrlich!


Und Camden selber finde ich ja nur krass... Man kann da so viele Dinge kaufen, dass es echt zuviel ist (mir zumindest). Es gibt da echt Klamotten, Schuhe und Accessoires aus den 70ern, 80ern und 90ern, und aus so ziemlich allen vorstellbaren Subkulturen. Sonntags sind dann da auch noch immer noch solche Märkte, die noch mehr Stuff verkaufen, als sowieso schon in den Läden die dort sind verkauft wird. Da ist quasi eine Hauptstraße, wo sich Shop an Shop reiht, und dann gibt es noch so die eine oder andere Marktfläche, wo dann Stände sind (Klamotten, Accessoires, Fressen, Nippes) und auch nochmal Geschäfte. Und man kann echt _alles_ dort kaufen. Mir war es zuviel, ich hatte am Schluss überhaupt keine Lust, nur irgendwas zu kaufen, weil man auch gar keine Lust mehr hatte, das gesamte Angebot dort zu sondieren - häufig hat sich das dann auch wiederholt. Werde ich mir irgendwann nochmal in Ruhe geben, wenn es nicht mehr so kalt ist, weil nebenbei bin ich dort wieder fast erfroren! :-)

Sonntag Abend haben wir dann nix Spektakuläres mehr gemacht, waren nochmal Fish'n'Chips bei mir essen und nochmal auf ein, zwei Bierchen im Pub.

Ja, ich glaube, das reicht erstmal an weiteren Londoneindrücken, oder? ;-)

 

Was ich noch krass finde hier: Die Rushhour: Die versuche ich inzwischen wo es geht zu meiden, da ich es wirklich hasse, mit fremden Menschen so eng auf Tuchfühlung zu gehen - da fühle ich mich unglaublich unwohl (darum gehe ich z.B. auch nicht gerne auf Konzerte oder Weihnachtsmärkte und Co.). Zur Arbeit habe ich jetzt einen Alternativweg mit dem Bus und der Circle-Line (Ringbahn) entdeckt, die zum Glück immer ziemlich leer ist, und wo ich genauso lange brauche. Außerdem sieht man mehr von der Stadt als immer nur Tube-Stations! :-)

Nicht mit Kaugummis zugepflastert, dafür mit anderen Dingen...

 

Noch krass: Die festgetretenen Kaugummis auf den Bürgersteigen und Straßen! Es scheint mir, die Londoner versuchen heimlich, die Straßen damit neu zu beschichten, besonders in Camden! :-) Da guckt teilweise echt kaum noch Stein durch.

 

Und eins sag ich Euch: Nadine und Maik haben mir beide immer wieder gesagt, ich sollte mir möglichst schnell abgewöhnen, alle Preise hier immer in Euro (und schon gar nicht in D-Mark!) umzurechnen. Und inzwischen habe ich nach zwei Wochen hiersein auch echt damit aufgehört, so dass ich jetzt ab und zu auch mal ein Sandwich im Takeaway kaufen kann, ohne dass in meinem Mind immer gleich eine Alarmglocke schrillt! :-) Das scheint mir die gesündere Variante zu sein.

O.K., ich sehe, ich hab schon wieder einen Roman verfasst und außerdem will ich gleich los, bevor der Supermarkt schließt! :-) Obwohl, wäre auch nich schlimm, wenn ich nix mehr einkaufen könnte, da ich das Gefühl habe, die ganze Limonaden und mein schlechter Ess-Rhytmus hier (abends esse ich regelrechte Unmengen, weil ich tagsüber so wenig esse) lassen mich langsam fett werden. :-)

 

Nun gut, jetzt aber echt Schluss hier! :-)

 

Ich denk immer lieb an Euch alle und vermisse Euch ein bißchen! :-)

 

Claudi

 

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London 3 1/2 (vom 23.02.2003)

Hallo Ihr Berliner (und andere),

 

hier also wieder meine obligatorische wöchentliche Mail. Wir schreiben Mo. den 23.2.03, aber leider habe ich diesmal nicht so viel zu berichten wie die letzten Male, da einfach seit dem letzten Mal, als ich Euch schrieb, nicht viel passiert ist. Außer natürlich, dass ich das erste Mal in meinem Leben ein Händie habe - und ich frage mich, wie ich es hier in London bisher ohne ausgehalten habe! Ich denke, zu Hause in Berlin werde ich immer noch keins brauchen, aber hier, wo ich von zu Hause weder die Möglichkeit habe zu mailen, noch nach draußen zu telefonieren, ist das schon sehr praktisch. Man kann SMS schreiben und so doch zumindest ein bißchen in Kontakt zur Außenwelt stehen, ohne gleich in den nächsten Call-Shop rennen zu müssen.

Das Händie habe ich Maik zu verdanken, der ja jetzt am Sa. nach vier Monaten London wieder nach Berlin heimgekehrt ist. Bei mir ist hier auch bald der erste Monat um... Naja, und da Maik seinen Rucksack vor seiner Rückkehr nochmal kurz bei mir untergestellt hat, waren wir am Sa. morgen (O.K., vormittag ;-) ) nochmal zusammen frühstücken - Englisch natürlich! :-) D.h., zu einem ordentlichen Frühstück gehören auf jeden Fall Pommes! :-) Es mag Stimmen geben, die jetzt behaupten, ich "verenglische" langsam - aber das glaube ich nicht. Ich meine, wem ist denn nicht bekannt, dass Pizza einfach mal das geilste Frühstück überhaupt ist? Warum also nicht auch Pommes? ;-)

Waschsalon in Kilburn

 

Nach unserem erquickenden Mahl sind wir dann zum Portobello-Road-Market gefahren und einmal rüber gelaufen. Aber davon gibt es nicht viel Spannendes zu erzählen - es wird dort allerlei Nippes verkauft, von Badezimmeramaturen über Unmengen von Lupen (zu 29 £ das Stück) bis hin zu den üblichen "London-Klamotten", die wir am WE davor schon im Camden bewundert haben (alles in allem gleicht der Markt in großen Teilen dem am 17. Juli in Berlin). Dennoch hat sich mein Wunschzettel nach diesem Besuch um mind. 2 Posten erweitert! :-) Nur, wie ich das finanzieren soll, ist mir noch nicht so ganz klar. Ich habe schon über den Verkauf von getragener Unterwäsche im Internet nachgedacht, denn davon habe ich zu Hause inzwischen auch schon zwei ganze Säcke voll! ;-) Aber das werde ich mir nochmal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen. Allerdings könnte ich auf diese Weise den Waschsalonbesuch umgehen, vor dem es mir so graut, und wegen dem ich letzte Woche hier auf Arbeit eine ziemlich ätzende Situation hatte, die zu erklären an dieser Stelle zu lange dauern würde. Kurz gefasst nur soviel: Ich habe mich ein bißchen blöd ausgedrückt, und meine Bemerkung wurde als rassistisch aufgefasst, was eine Diskussion entfachte und mir noch die ganzen nächsten 24 Std. Bauchschmerzen bescherte. Vor allem hab ich die Befürchtung, dass ich jetzt hier meinen Ruf weg hab, aber wenn kann ich auch nix machen.

 

Ja, eigentlich war ich ganz woanders - Portobello-Road. Aber dazu habe ich eigentlich auch schon alles gesagt, was es zu sagen gibt. Maik ist dann so gegen kurz nach Vier zum Flughafen gefahren und weiter ist an dem Tag sowie an dem darauffolgenden auch nicht viel mehr passiert, als dass ich viel gelesen habe und für 3 £ SMS verschickt habe.

 

Heute werde ich mir nochmal diesen komischen Studentenpub am Earl's Court geben, ist zwar nicht meine favourite location, aber da kenn ich wenigstens wen und es ist besser, als alleine zu Hause rumzuhängen.

 

Auf Arbeit wurde ich vorhin wieder mit Lob überschüttet - ich erzähle das nicht gerne, klingt so eingebildet, aber ich bin das einfach nicht gewohnt und darum ehrlich gesagt auch ein bißchen stolz - nachdem sie mich bei meinem letzten Job in der Viafon eiskalt gefeuert haben, bin ich hier natürlich mit einem ziemlich geringen Selbstbewußtsein angetanzt. Scheiß-Viafon, echt! Drecksladen. Wenn sie einen wie im Kindergarten behandeln, sollen sie sich nicht wundern, wenn man sich wie ein Kindergartenkind verhält (das kannst Du denen übrigens gerne sagen, Ronald, wollte ich schon immer mal loswerden).

 

O.K., nachdem ich jetzt auch meinen Frust über die Viafon zu Papier gebracht habe, steht einem feucht-fröhlichen Abend eigentlich nichts mehr im Wege! :-) Einen ebensolchen wünsche ich Euch also auch und grüße Euch alle ganz lieb aus dem frühlingshaften London! :-)

 

*flausch*

 

Claudi

 

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London 4 (vom 15.03.2003)


Treppenaufgang in meinem Haus

 

Hallo Ihr Lieben!

 

Hier also mal wieder eine Mail von mir aus London... Eigentlich gibt es nicht sehr viel Neues, Spannendes zu berichten, daher könnt Ihr in dieser Mail wohl eher damit rechnen, dass ich Euch mit meiner Lebensphilosophie vollschwalle! :-) Wen das nicht interessiert, der sollte an dieser Stelle besser gleich aufhören zu lesen...

 

Heute ist Sa. und das Wetter draußen ist einfach nur herrlich... Da ich aber nicht zu den Menschen gehöre, die sich alleine besonders gut amüsieren können, bin ich ins Goethe-Institut gefahren, um hier ein bißchen private Korrespondenz zu erledigen. Heute Abend hat das vorübergehende "Alleinsein" dann auch ein Ende, denn dann kommt meine Freundin Astrid, die zwei Wochen lang einen Sprachkurs in London macht. Gestern Abend war ich mit drei Mädels weg, die auch in meinem Haus wohnen... Das war ganz O.K., aber ich glaube nicht, dass wir die dicksten Freundinnen werden! :-) Aber das kann man ja vorher sowieso nie so richtig wissen. Ja, ansonsten habe ich diese Woche eher wenig unternommen. Macro ist ja letzten Mo. früh nach zehn Tagen wieder nach Hause gefahren, was mich ziemlich traurig gestimmt hat, so dass ich Mo. + Di. eh überhaupt keine Lust hatte, irgendwas zu machen.

 

die "Cutty Sark" in Greenwich
Fußgängertunnel, der unter der Themse durch nach Greenwich führt

Macro und ich haben hier ziemlich viel unternommen - dummerweise wohl am Anfang gleich zuviel, so dass ich am 3. Tag seines Besuches erstmal richtig schön krank wurde. Das sieht auf Arbeit natürlich besonders reizend aus, wenn alle wissen, dass man Besuch hat und man ausgerechnet dann krank wird (offiziell hatte ich nur den Mo. und Fr. frei genommen). Aus diesem Grund habe ich mich den Di. dann noch zur Arbeit geschleppt, was dazu führte, dass mir ein ganz blöder (und für's Goethe-Institut peinlicher) Fehler unterlaufen ist (jemand - ein hohes Tier aus der Wirtschaft, den wir als Sponsor gewinnen wollten - hat einen falschen Brief bekommen), worüber sich meine Kollegin Carole aber glaube ich mehr einen Kopf gemacht hat als mein Chef Dr. Sacker, in dessen Name der Brief geschrieben wurde. Naja, krank arbeiten bringt's halt nicht. Am Mi. ging es dann erkältungstechnisch gar nicht mehr, so dass ich echt den ganzen Tag zu Hause im Bett verbracht habe und Macro allein auf Tour geschickt habe. Do. war ich dann zwar auch noch ziemlich krank, bin aber wieder rausgegangen. Fr. ging's mir schon fast wieder gut, aber da ging es Macro dann schlecht! :-) Klassischer Fall von: Dumm gelaufen. Naja, aber egal, es war trotzdem eine sehr schöne Zeit. Wir waren ziemlich viel unterwegs, eigentlich die ganze Zeit (wir waren 2x in Camden, einmal Portobello-Road, 2x im Tate Modern [inkl. Beckmann-Ausstellung, die ich jedoch nicht so empfehlen würde (es sei denn natürlich, man ist Beckmann-Fan) - das Interessanteste an der gesamten Ausstellung war, dass Heike Makatsch zur gleichen Zeit dort war], im Design-Museum [das Ihr Euch übrigens komplett knicken solltet, wenn Ihr mal hier seid - das Museum besteht aus zwei Etagen, in der einen sind nur Schuhe, die total lieblos in irgendwelche Regale gestellt wurden, und die andere ist ausstellungsmäßig auch eher klein und karg und mit wenig interessanten Gegenständen], im V&A-Museum [das sowohl mir wie auch Macro eher wie eine riesige Kramsammlung vorkam - aber sie haben mehr Designer-Gegenstände wie z.B. Möbel als das gesamte Designmuseum], in Greenwich, auf der Tower Bridge, haben uns alle großen Bahnhöfe hier angeschaut und haben unzählige Male in der Innenstadt um Leister Square, Covent Garden, Picadilly Circus und Oxford Street durchstreift). Das meiste kannte ich logischerweise schon, da mir Nadine und Maik das alles vorher gezeigt hatten.

 

Schuhe in Camden

Mein Geldbeutel hat in dieser Zeit hier allerdings ganz schön bluten müssen, denn wir waren recht viel shoppen und obwohl wir nicht in teuren Restaurants essen waren sind wir ziemlich viel Geld losgeworden, weil wir so oft Take-Away-Zeug gefuttert haben. Shopping-technisch habe ich jetzt erworben: ein Paar TredAirs (für 25,- £ in Camden!!!! Das ist absoluter Kampfpreis!!! in Berlin hab ich vor zwei Jahren für genau die gleichen Schuhe 150,- DM ausgegeben!!!), außerdem eine Afro-Ken-Tasse, einen schwarzen Kapuzen-Stickjacke mit Regenbogenstreifen (flauschig-warm), einen weiteren Kapuzenpulli und noch ein schwarz-weiß gebatiktes Oberteil. Ach, und noch drei weitere, "normale" Tassen und eine weitere CD.

 

Hach, *freu*, haufenweise neuen Kram gekauft. Und die Wunschliste ist immer noch nicht "abgearbeitet"... drei Posten stehen z.Zt. noch zur Disposition. Naja, ist ja bald Ostern, im Juli habe ich Geburtstag und irgendwann ist auch wieder Weihnachten! ;-)

 

Aber insgesamt war es eine sehr schöne Zeit, trotz Erkältung, und ich war traurig, als Macro wieder weg war. Als Anfang der Woche dann diese Brief-Sache hier bei Goethe hinzukam, hatte ich echt einen ziemlich Durchhänger und wollte das erste Mal nach Hause. Dann war das Wetter auch noch scheiße und ach - naja, wie das halt so ist. Ich fing dann auch an, mich hier am Goethe-Institut nicht mehr so wohl zu fühlen, wie vorher. Ich weiß nicht, die Leute hier sind irgendwie... anders. Meine Mutter hat ja mehr als 20 Jahre lang bei "Goethe" gearbeitet, und ich habe sie immer für ein bißchen weltfremd gehalten in der Art, wie sie mit anderen Menschen umgeht - aber ich stelle jetzt hier fest, dass das nicht "Weltfremdheit" ist, sondern einfach nur ein bestimmter "Goethe-Habitus". Vielleicht bin ich ja auch einfach weltfremd und naiv, wer weiß? Aber lasst mich Euch ein Bild von der Atmosphäre hier bei Goethe geben und von der Art, wie die Leute hier miteinander umgehen: Auf den ersten Blick hat man den Eindruck, dass hier alles wunderbar ist, die Leute sind sehr freundlich und sehr ruhig, kein böses Wort fällt, alle lächeln ständig, wenn sie mit Dir reden - ich würde es schon als "überhöflich" beschreiben. Wer mich ein bißchen kennt weiß, dass ich so meine liebe Not with this thing called "Höflichkeit" habe, da ich finde, die Grenze zwischen Höflichkeit und Falschheit/Verlogenheit ist oft nicht ganz klar definiert. Und damit komme ich nicht so richtig klar. Denn, jetzt wo ich länger hier bin, bekomme ich mit, dass halt doch nicht alles so Friede, Freude, Eierkuchen ist, wie ich auf den ersten Blick dachte. Was mich nur stört ist die Art, wie damit umgegangen wird, die ich sehr unproduktiv finde. Das Problem ist halt, dass sich so ziemlich jeder hier über den Institutsleiter, Herrn Sacker, aufregt, da er uns alle absolut im Unklaren darüber lässt, was seine nächsten Pläne sind und wie weit z.B. der Verhandlunsstand mit möglichen Projektpartnern ist. Jeder lästert und meckert darüber (manchmal habe ich den Eindruck, demnächst bricht eine Meuterei aus), aber niemand sagt es ihm mal persönlich und direkt! Das ist nicht meine Vorstellung von Kommunikation, und schon gar nicht von Teamwork! Kommunikation funktioniert nicht mit Hellseherei und kleinen "Hints", die der andere dann interpretieren muss wie ein Gedicht von Goethe in einer Abiturklausur! Wenn einem was nicht passt, sollte man das schon sagen, das heißt ja nicht, dass man deshalb unfreundlich und ausfallend werden muss! Ich komme mit dieser "indirekten" Art nicht besonders gut klar! Und das ist auch nicht meine Vorstellung von Teamwork - wir von der Programmabteilung sind hier ein ziemlich kleines Team (zu dem mehr oder weniger auch Herr Dr. Sacker gehört, da er als Institutsleiter auch bei der Programmgestaltung mit wirkt), so dass es eigentlich nicht weiter schwierig sein sollte, im Team zu arbeiten! Aber für mich gehört zu Teamwork halt auch, dass man sich mal "aneinander reibt", dass es Konfrontationen und auch Konflikte gibt, wo man dem anderen sagt, was man an seiner Art zu arbeiten nicht gut findet und was er u.U. besser machen könnte (also auf gut Deutsch: Kritik üben) - aber dem gehen einige Leute hier betulich aus dem Weg! Ich selber habe so meine Probleme mit Kritik, sowohl sie zu äußern wie auch zu bekommen (auch das wissen Leute, die mich besser kennen! ;-) ), denn beides ist nie ganz einfach - aber ich denke, man muss diese bittere Pille halt auch mal schlucken, mutig sein und die eigene Eitelkeit mal kurz im Keller seines Charakters einsperren und adäquat damit umgehen, um ein gemeinsames Projekt insgesamt voran zu treiben. Das finde ich an der c-base und an der Art, wie die Leute dort kommunzieren so toll - obwohl diese Art weiß Gott manchmal sehr unfreundlich und roh ist. Aber man scheut sich nicht, Kritik auch mal zu äußern und lässt sich auch mal auf Konfrontationen ein.


Vielleicht ist das auch so ein Männer-Frauen-Ding. Hier bei Goethe in der Programmabteilung sind wir nur Frauen, während in der Base fast nur Männer sind - aber diese "männliche", direktere Art zu kommunizieren gefällt mir einfach besser, daher ist mein Bekanntenkreis wohl auch zum größten Teil männlich. Frauen erscheinen mir häufig diesem Ideal entsprechen zu wollen, sehr "sanft" und "freundlich" (sehr "weiblich") zu sein und scheuen Konfrontationen, was dazu führt, dass sie oft um den heißen Brei herum reden und nicht sagen, was sie eigentlich denken (by the way: ich glaube, das ist auch das, warum Männer Frauen nicht verstehen und sie als so rätselhaft und unberechenbar empfinden) - das ist nicht meins. Auch wenn das hier als sehr "teutonisch" gilt, direkt zu sein - es ist doch eher meine Lebensphilosophie, weil ich denke, nur so kann Kommunikation funktionieren.


Und selbst wenn das eine speziell deutsche Verhaltensweise sein sollte (wie die Leute hier bei Goethe beharrlich mir einzureden versuchen), finde ich es doch produktiver, als dieses Um-den-heißen-Brei-herum-Gerede. Nee, nee, nee, ich verstehe nicht, warum die Leute sich das Leben mit sowas so schwer machen.

 

Eine weitere Sache, die ich in diesem Zusammenhang nicht verstehe ist diese Art "Autoritätsgläubigkeit", die m.E. dahinter steht, wenn man es nicht bringt, seinem Chef einmal zu sagen, was an seiner Arbeitsweise vielleicht nicht ganz so toll ist (muss man ja nicht in diesen Worten formulieren, kann man ja sachlich machen). Wieso sagt ihm das nie jemand? Als Leiter eines Instituts wie diesem hier sollte man eigentlich eine Persönlichkeit erwarten können, die mit Kritik umgehen kann, ohne dass man um seinen Arbeitsplatz bangen muss. Und ich denke, Herr Sacker ist ein Mensch, der das auch kann (auch wenn er im ersten Moment eingeschnappt ist, was ich auch wäre). Aber von seiner ganzen Art her scheint er mir jemand zu sein, den man noch "erziehen" kann und vielleicht auch muss (sprich: er ist einsichtig), und jähzornig und herrschsüchtig wirkt er auf mich auch nicht, so dass ich durchaus denke, dass man ihm sowas auch sagen kann. Actually erscheint er mir häufig sogar eher wie ein kleiner Junge, der ein wenig konfus und unorganisiert ist, und ich glaube, dass er uns nicht genau mit Informationen versorgt ist keineswegs böse Absicht, sondern einfach "Verpeilung" - fehlendes Einfühlungsvermögen für die Arbeitssituation der anderen. Aber dann muss ihm das halt gesagt werden. Wie gesagt, und ich denke, so muss man ihn auch behandeln und ihn nicht nur als "Chefperson" sehen, die in bestimmter Hinsicht total "unfähig" ist. Auch Chefs muss man erziehen, so wie Teenager ihre Eltern erziehen müssen! :-) Herr Sacker selber z.B. sieht sein Zu-spät-Kommen zur hausinternen Abteilungsleiterkonferenz sehr locker, während seine Assistentin Carole sich eine Stunde darüber aufregen kann. Aber sagen tut sie es ihm deshalb trotzdem nicht, dass sie es unmöglich findet. Und ich kann da eher Herrn Sacker verstehen - die Welt geht schließlich nicht unter, wenn man zu einem hausinternen Meeting mal fünf Min. zu spät kommt. Was mich wieder zu dieser generellen Art hier bei Goethe führt - das ist halt alles so "unlocker". Diese ganzen Etikette-Geschichten - nee, das ist nicht meins. Ich hoffe echt immer nur, dass es nicht überall im Arbeitsleben so zugeht, ansonsten sehe ich mich nämlich entweder arbeitslos für den Rest meines Lebens oder mit 50 an einem Magengeschwür verrecken! :-)

 

In diesem Sinne

 

macht's gut und LG aus London

 

Claudi

 

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London 5 or Public Transport & Supermarkets in London (vom 29.03.2003)

Docklands (vom Boot aus)

Hallo Ihr Lieben!

 

It's Saturday and I'm at the office again. Aber Sa. habe ich hier einfach mehr Ruhe, und ich weiß auch nicht, was sonst alleine hier tun, siehe meine Mail vor zwei Wochen. Astrid, die ja an besagtem Sa. angekommen ist, ist gestern früh wieder nach Berlin geflogen. Wie durch ein Wunder war die ganze Zeit, während sie hier war, das traumhafteste Wetter, das man sich vorstellen kann! Jeden Tag blauer Himmel und laue Temperaturen, nur an einem Tag war es bewölkt. Und kaum ist sie weg, also seit gestern, ist es natürlich wieder verhangen, zwar warm und freundlich, aber eben kein blauer Himmel mehr. Wie sie das gemacht hat mit dem schönen Wetter ist mir ein Rätsel, wahrscheinlich kann sie zaubern oder sowas! :-) Auf jeden Fall war die Zeit mit Astrid sehr nett, aber leider war hat mich auch schon wieder eine Erkältung gebeutelt. Bzw. glaube ich, dass ich die letzte einfach noch nicht auskuriert hatte. Das war blöd, denn dadurch war ich total gehandycappt und habe auch wieder ein paar Tage im Bett verbringen müssen. Außerdem habe ich hier das halbe Büro angesteckt! :-)

 

Dennoch haben Astrid und ich ein bißchen was unternommen: Einmal hatte mich Astrid mittags hier vom Büro abholt, da sind wir quer durch alle Parks (Hyde Park, Greeen Park, St. James Park - welcher mit Abstand der schönste von den dreien ist; der Himmel war blau, es war warm und überall blühten Bäume und Blumen - ich kam mir fast wie im Märchen vor) bis Westminster gestiefelt und haben dann eine kleine Bootsfahrt auf der Themse gemacht. Außerdem waren wir letzten Mi. noch in einem Theaterstück das sehr interessant war und für das ich über's Goethe-Institut Freikarten bekommen hatte. Es ist eigentlich ein Deutsches Theaterstück ("Venezuela"), das in Berlin spielt und vom S-Bahn-Surfen handelt und dann ins Englische übersetzt wurde. Es hat mir sehr gut gefallen, aber leider habe ich nur gut die Hälfte verstanden. Die ganzen Feinheiten sind aufgrund der Sprachbarriere an mir vorbei gegangen.

 

Kilburn Park Station (Bakerloo Line)
Kilburn Park Road

Ja, ansonsten habe ich zu meiner Überraschung festgestellt, dass schon zwei Drittel meiner Zeit hier vorbei sind! Sogar mein Rückflug ist schon gebucht, ich komme am 3.5. in Schönefeld an. Und obwohl ich nun schon zwei Monate hier bin, gibt es immer noch Dinge, die hier für mich neu oder ungewohnt sind und von denen ich Euch jetzt berichten will. Z.B. der Public Transport (ÖPNV) in London: Grundsätzlich kann man sagen: Er ist eine reine Katastrophe!!! ;-) Nun gehöre ich zu den Leuten, die nicht ungern die BVG kritisieren, aber das hier ist echt ein paar Nummer härter. Die Tage, an denen ich ohne irgendeinen Zwischenfall (engineering work oder sonstige delays) zur Arbeit fahren kann sind bedeutend weniger als die mit Zwischenfällen. Mein Record war drei exidents an einem Tag: Erst hieß es, die Circle Line fährt aufgrund von Bauarbeiten in den frühen Morgenstunden nur unregelmäßig (also gar nicht) und man muss eine Ausweichroute nehmen (wo man sich als vernunftbegabter Mensch schon fragt: Warum machen sie ihr engineering work mitten in der Woche, wenn alles zur Arbeit muss, und nicht etwa am WE?). Das tat ich dann und musste dazu irgendwann in den Bus umsteigen und drei Stationen fahren. An der Station bevor ich aussteigen musste hatte der Bus dann eine Panne und konnte nicht weiter fahren. Als ich Abends von der Arbeit zurück fuhr, war auch wieder irgendein train out of service.

Eine sehr witzige Story in diesem Zusammenhang erzählte auch eine Kollegin von mir hier bei Goethe: Irgendwann letztens fuhr sie in irgendeiner Tube und der Fahrer machte Durchsagen, welche Züge gerade nicht fahren, Verspätungen haben oder welche Stationen gesperrt ging. Das ging ca. fünf Min. lang so, dann fügte er die Bemerkung hinzu: "All other services are going normal!" - *lol*!!!


Auf meinem Weg zur Arbeit: oben: Buckley Road

 

Letztens passierte es mir, dass ich auf dem Weg nach Hause in der Station Sloane Square mitten in der Rush Hour zwischen tausend Leuten eingequetscht in einem Zug stand, als die Durchsage kam, dass der Zug jetzt hier fünf Minuten stehen wird, weil die zeitliche Lücke zum nächsten Zug sonst zu groß ist. Ich hab fast die Krise bekommen! Gerade, als ich aussteigen wollte, fuhr der Zug zum Glück dann doch weiter (auch auf dem Weg eben hierher ins Büro standen wir ohne erkennbaren Grund wieder fünf Minuten in einem Tunnel). Überhaupt, die Rush Hour morgens und abends ist die größte Katastrophe! Ich habe jetzt zum Glück einen Weg zur Arbeit gefunden, auf dem ich nicht dauernd kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehe, weil ich zwischen haufenweise Leuten, Rucksäcken und Koffern eingequetscht bin. Zu diesem Weg gehört auch eine kurze Fahrt mit der Bakerloo Line, die meine augenblickliche Lieblings-U-Bahn-Linie ist! Es kommt immer ein Zug, die Züge sind nie voll (jedenfalls nicht bis Paddington, wo ich umsteigen muss) und auch die Art, wie die Züge eingerichtet sind gefällt mir sehr gut. Es sieht zwar alles schon ein bißchen alt und ranzig aus, aber ich mag die Farben, die in den Waggons verwendet wurden (jede Linie ist hier anders "eingerichtet", meistens in der Farbe, die die Linie auf dem U-Bahnplan hat, das wäre, wie wenn die U2 in Berlin rote Haltestangen oder Sitze hätte) und die Sitze sind sehr bequem und für Leute meines "Formats" konstruiert.

Das ist nämlich auch so ein Ding hier: sämtliche Sitze in öffentlichen Verkehrsmitteln sind totale Fehlkonstruktionen! Nun mag es den einen oder anderen gehässigen Zeitgenossen geben der behauptet, ich hätte einen "fetten Arsch". Dies streite ich durchaus nicht ab, aber believe me, auch "normal" gebaute Leute passen nicht in diese Sitze!!! Ich sitze IMMER gequetscht! Mein Hintern passt immer noch in den Sitz, aber an den Schultern ist es dann definitiv zu eng! Wenn man ein Buch (geschweige denn eine Zeitung) lesen will, bleibt einem nichts anderes übrig, als eine übelst verkrampfte Haltung einzunehmen! Sitzt man zu zweit auf einem Zweiersitz im Bus, sitzt der, der außen sitzt halb im Gang und derjenige am Fenster sieht so verkrampft aus, als hätte man ihm gerade ein Abführmittel gegeben. Und ich beobachte dieses Phänomen nicht nur bei mir: Auch Maik (der alles andere als einen fetten Arsch hat), Astrid und Macro kamen mit diesen Sitzen nicht klar, und sogar die Londoner selbst sitzen nicht wirklich entspannt auf diesen Sitzen. Ich frage mich, ob hinter dieser Art der Konstruktion eine Absicht versteckt ist... Vielleicht will man die Leute schnell wieder aus den öffentlichen Verkehrsmitteln vertreiben? Vielleicht soll es ein "Hint" sein, dass man mit seinem Gewicht aufpassen und nicht zu fett werden soll? Vielleicht dient es der schnelleren (körperlichen) Kontaktaufnahme in einer so riesigen, anonymen Großstadt? Oder dachte man einfach, der Durchschnittsengländer hat einen zierlicheren Körperbau als der kontinentale Durchschnittseuropäer? Es ist mir ein Rätsel! Neulich ist mir noch etwas Krasses in einem Bus auf dem Weg nach Hause passiert: Eine Frau und ich waren die einzigen Fahrgäste im hinteren Teil des Busses. Sie holte irgendwelches Zeug raus und ich war neugierig, was die da wohl tut. Zuerst dachte ich, sie lackiert sich gleich die Nägel. Dann dachte ich, sie setzt sich eine Heroinspritze auf, weil das, was sie tat verdammt danach aussah. Ich konnte nicht erkennen, was genau sie tut und in dem guten Glauben, dass sie schon nichts Illegales tun würde, schaute ich interessiert rüber worauf sie plötzlich in einem denzent aggressiven Tonfall meinte: "Is there anything wrong?", was ich verneinte. Die Stationen zogen vorüber und der Bus füllte sich mehr und mehr. Ich habe mir verkniffen, noch öfter rüber zu schauen, aber irgendwann sah ich, dass die Frau sich zur Buswand gedreht hatte und sich das kleine Glasteil, das ich für eine Art Pfeife hielt, anzündete und kräftig dran zog. Da es keinen Qualm oder Rauch oder ähnliches gab, wird es sich wohl nicht um eine Haschischpfeife, sondern um eine Crack-Pfeife gehandelt haben, dachte ich mir so. Das fand ich schon eine harte Nummer. Vor allem, da ich zu diesem Zeitpunkt nicht der einzige weitere Fahrgast im hinteren Teil des Busses war. Naja, seltsam, seltsam, das alles hier. Berlin kommt mir dagegen manchmal echt provinziell vor. Und es leben dort bei weitem nicht so viele Menschen, es ist unglaublich, wie voll die Straßen hier sind. Wenn man Sa. Abends die Gegend um den Picadilly Circus rum besucht und das mit unserem Ku'Damm vergleicht, dann weiß man, warum Berlin noch immer keine Metropole ist.

Aber zum nächsten im Subject angekündigten Thema, den Supermärkten: Ein Londoner Supermarkt unterscheidet sich grundsätzlich von einem Berliner Supermarkt. Wenn man den Laden betritt, wird man von Kühlregalen beinahe erschlagen. Diese Kühlregale beinhalten zum größten Teil Sandwiches und anderes Take-Away Zeug. Bei Marks & Spencer z.B. gibt es nichts anderes, außer dieses Kühlregal-Food. Neulich fragte ich aufgrund meines Hustens eine Mitarbeiterin dort, ob sie auch non-chilled drinks hätten - Fehlanzeige! Wirklich ALLES wird dort in Kühlregalen aufbewahrt. Und bei Sainsbury's (ungefähr vergleichbar mit unserem "Kaiser's" vom sozialen sowie Preislevel und dem Angebot dort) gibt es haufenweise gekühltes "Single-Food", wie ich es immer nenne. Kleine, in Plastikbeutel abgepackte Portionen von irgendwas, das man sich dann zu Hause aufwärmen oder weiterverarbeiten kann (z.B. fertig geschnippeltes China-Gemüse). Die Take-Away-, und vor allem die Sandwich-Kultur ist hier sehr ausgeprägt. Mein Berlin-Besuch war bisher immer sehr verwundert und den Sandwiches gegenüber auf den ersten Blick sehr distanziert. Und ich müsste lügen wenn ich behaupten würde, dass das bei mir am Anfang anders gewesen wäre. Wenn man diese dreieckig abgepackten Sandwiches überall sieht stellt man sich unweigerlich die Frage, wie lange die Teile da wohl schon liegen und noch weiter liegen werden und man muss an fettige Mayonaise und Konservierungsstoffe denken. Aber weit gefehlt! Die meisten dieser Sandwiches sind unglaublich lecker und werden - gerade in den Geschäften, die sich auf den Verkauf von Sandwiches spezialisiert haben - ständig frisch angeliefert in den Kühlschränken verstaut. Davon ernährt sich der Londoner in seiner wohlverdienten Mittagspause. Meistens kauft er noch eine kleine Tüte (20 g) Chips ("Crisps") dazu. Bei Marks & Spencers kann man sogar Sushi abgepackt zum Mitnehmen kaufen (mit einem Klex Wasabi, ein bißchen eingelegtem Ingwer und einer Mini-Flasche Soya-Sauce in der Packung - aber das Wasabi ist scheiße), und es ist gar nicht mal so teuer - 2-3 £ für fünf Stück (ungefähr 3 - 5 €).

 

mein favourite Fast-Food Imbiss in Kilburn


Fettige Döner- und Imbissbuden gibt es hier zwar auch, aber nicht in der direkten Innenstadt. In Kilburn, dem Stadtteil, wo ich wohne und der von seiner sozialen Zusammensetzung und der Art der Infrastruktur sehr an Neukölln erinnert, gibt es viele dieser Dönerbuden (aber von dem Döner hier wurde mir von mehreren Seiten abgeraten), aber in der City sucht man sowas vergeblich. Da gibt es höchstens noch die allgemein bekannten amerikanischen Fast-Food-Ketten.

 

Eine weitere, sehr "englische" Sache (wahrscheinlich handelt es sich auch hier nur um eine Eigenheit Londons), die mir hier aufgefallen ist, ist, dass alle mit Kaffee in Pappbechern rumlaufen. Es gibt hier verschiedene Ketten (die größte von ihnen ist Starbucks, die sich ja jetzt auch in Berlin niederzulassen beginnt, die ich aber boykottiere weil der Kaffee scheiße schmeckt und außerdem teurer als bei allen anderen Ketten ist), die Milchkaffee ("Caffe Latte"), Cappucino und andere Kaffee-Spezialitäten in Pappbechern mit Plastikdeckel zum Mitnehmen verkaufen. Und von diesem Angebot machen die Londoner reichlich Gebrauch. Auch ich habe diese reizende "Unsitte" adaptiert und kaufe mir jeden Tag mind. einen Kaffee dieser Art. Auch den Weg gerade von der Tube ins Büro habe ich kaffeeschlürfend zurück gelegt. Die Preise für den Take-Away-Kaffee bewegen sich zwichen 1,20 und 1,90 £, was ungefähr 1,80 bis 3,- € entspricht.

 

Ja, das war's erstmal, was ich Euch so von hier berichten wollte. Ich hoffe, ich wiederhole mich nicht in meinen Erzählungen. Über Feedback von Euch zu meinen Mails freue ich mich auch! :-) Übrigens: Ich habe mich jetzt an den Linksverkehr gewöhnt! :-) Kein In-die-falsche-Richtung-Glotzen mehr beim Über-die-Straße-Gehen! :-) Und was hier meine Arbeit betrifft, über die ich letztes Mal soviel geschrieben habe: Es ist wieder ein bißchen netter geworden. Ich habe festgestellt, dass die Stimmung viel besser ist, wenn der Chef nicht da ist, wie letzten Fr.. Dann ist Carole, mit der ich das Büro teile, wie ausgewechselt. Am Fr. hat sie mir sogar Schokolade mitgebracht! :-) Sonst ist sie nur genervt und erzählt dauernd, dass sie bald das Handtuch schmeißen wird. Ich glaube, sie will noch dieses Jahr hier aufhören. Ist vielleicht auch besser für sie, denke ich mir manchmal so... Ansonsten finde ich eigentlich alle Leute hier aus dem Büro sehr nett. Nur Carole macht mir halt manchmal ein bißchen zu schaffen, weil sie nur am Meckern ist und sich aufregt (90% über Herrn Sacker), ihm direkt das aber nie sagt. Das bringt so schlechte Stimmung, dass sogar ich als Praktikantin davon Bauchschmerzen bekomme, wenn ich hier im gleichen Büro sitze.

 

Tja, denn macht's mal gut, Ihr alle da in Berlin (und Kiel und Australien und wo Ihr sonst noch gerade so seid ;-) ), schreibt mir fleißig Mails und kommt mich vielleicht auch mal besuchen... :-)

 

Claudi

 

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Hier findet Ihr weitere Fotos aus London:

Am Schluss möchte ich noch auf die Seite "London Inside" verweisen, die von einer Frau stammt, die ebenfalls länger in London (und sogar in Kilburn) gewohnt hat. Die Seite ist sehr informativ und enthält viele nützliche Tipps für London-Besucher.